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2 / Die Gebete der Halbgötter an Krsna im Mutterleib

König Kamsa besetzte nicht nur die Reiche der Yadu-, Bhoja- und Andhaka-Dynastien und das Königreich Surasenas, sondern er verbündete sich auch mit allen anderen dämonischen Königen, namentlich mit den Dämonen Pralamba, Baka, Canura, Trnavarta, Aghasura, Mustika, Arista, Dvivida, Putana, Kesi und Dhenuka. Zu jener Zeit war Jarasandha König über die Provinz Magadha (die heute als Bihar bekannt ist). Unter dem Schutz Jarasandhas errichtete Kamsa durch seine geschickte Politik das mächtigste Königreich seiner Zeit. Er schloss weitere Bündnisse mit Königen wie Banasura und Bhaumasura, bis er schließlich eine Vormachtstellung erreichte. Daraufhin leitete er feindselige Aktionen gegen die Yadu-Dynastie ein, in der Krsna geboren werden sollte.

Als die Könige der Yadu-, Bhoja- und Andhaka-Dynastien so von Kamsa verfolgt wurden, mussten sie in andere Königreiche fliehen, wie in das Reich der Kurus und der Pancalas und in die Reiche, die als Kekaya, Salva, Vidarbha, Nisadha, Videha und Kosala bekannt sind. Auf diese Weise brach Kamsa den Zusammenhalt des Yadu-Königreichs wie auch den des Bhoja- und Andhaka-Reiches und machte seine Position zur stärksten im ganzen Kontinent, der zu jener Zeit als Bharatavarsa bezeichnet wurde.

Als Kamsa die sechs Kinder Devakis und Vasudevas eines nach dem anderen umbrachte, suchten ihn viele Freunde und Verwandte auf und baten ihn, von diesen Gräueltaten abzulassen, doch sie alle wurden schließlich zu Verehrern Kamsas.

Als Devaki zum siebten Mal schwanger wurde, erschien Ananta, eine vollständige Erweiterung Krsnas, in ihrem Leibe. Devaki war von Freude und Schmerz zugleich überwältigt. Sie war freudig, weil sie verstehen konnte, dass Sri Visnu in ihrem Leib erschienen war; doch zur gleichen Zeit war sie auch sehr bekümmert, da sie befürchtete, dass Kamsa auch dieses Kind töten würde. Weil sich die Yadus aufgrund der von Kamsa begangenen Grausamkeiten in einer beklagenswerten Lage befanden, hatte die Höchste Persönlichkeit Gottes, Krsna, großes Mitleid mit ihnen, und so wies Er Yogamaya, Seine innere Energie, an, ebenfalls zu erscheinen. Krsna ist der Herr des Universums, doch vor allem ist Er der Herr der Yadu-Dynastie.

Yogamaya ist die Hauptenergie der Persönlichkeit Gottes. In den Veden wird gesagt, dass die Höchste Persönlichkeit Gottes viele Energien besitzt: parasya saktir vividhaiva sruyate. All diese verschiedenen Energien wirken äußerlich und innerlich, und Yogamaya ist die höchste all dieser Energien. Krsna gab Yogamaya den Auftrag, im Land von Vrajabhumi, Vrndavana, zu erscheinen, das immer geschmückt ist und wo Tausende von schönen Kühen weiden.

In Vrndavana lebte Rohini, eine der Frauen Vasudevas, im Hause des Königs Nanda und der Königin Yasoda. Nicht nur Rohini, sondern auch viele andere Angehörige der Yadu-Dynastie waren aus Furcht vor den Grausamkeiten Kamsas geflohen und hatten sich nun über das ganze Land verstreut. Einige von ihnen lebten sogar in Berghöhlen.

Der Herr sagte daher zu Yogamaya: "Devaki und Vasudeva liegen im Kerker Kamsas, und zum gegenwärtigen Zeitpunkt befindet Sich Sesa, Meine vollständige Erweiterung, im Schoß Devakis. Sorge dafür, dass Sesa aus dem Schoß Devakis in den Leib Rohinis gebracht wird. Danach werde Ich persönlich mit all Meinen Energien in den Leib Devakis eingehen und daraufhin als der Sohn Vasudevas und Devakis erscheinen. Und du wirst währenddessen als die Tochter Nandas und Yasodas in Vrndavana erscheinen.

Da du als Meine Schwester erscheinen wirst, werden dich die Menschen mit wertvollen Gaben, wie mit Räucherstäbchen, Kerzen, Blumen und Opferdarbringungen, verehren. Dafür wirst du ihre Wünsche nach Sinnenbefriedigung schnell erfüllen. Menschen, die materialistische Neigungen haben, werden dich in den verschiedenen Formen deiner Erweiterungen verehren, die man Durga, Bhadrakali, Vijaya, Vaisnavi, Kumuda, Candika, Krsna, Madhavi, Kanyaka, Maya, Narayani, Isani, Sarada und Ambika nennen wird."

Nachdem Yogamaya auf diese Weise von der Höchsten Persönlichkeit Gottes angewiesen worden war, umkreiste sie den Herrn und erschien dann in der materiellen Welt. Als der Höchste Mächtige, die Persönlichkeit Gottes, Sesa aus dem Schoße Devakis in den Schoß Rohinis versetzte, standen beide Frauen unter dem Einfluss Yogamayas, der auch yoga-nidra genannt wird. Als dies geschehen war, glaubten die Leute, dass Devakis siebte Schwangerschaft als Fehlgeburt geendet habe. Somit wurde also Balarama, obwohl Er Sich zuerst als Devakis Sohn manifestiert hatte, in den Leib Rohinis versetzt, um als deren Sohn zu erscheinen. Daraufhin ging die Höchste Persönlichkeit Gottes, Krsna,  als der Herr der gesamten Schöpfung in den Geist Vasudevas ein. In diesem Zusammenhang wird gesagt, dass Sich Sri Krsna zuerst in Vasudevas reinem Herzen manifestierte und dann in Devakis Herz überging. Er ist also nicht durch geschlechtliche Vereinigung in Devakis Leib gelangt. Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, kann kraft Seiner unergründlichen Energie überall und unter allen Umständen erscheinen. Deshalb war es für Ihn nicht notwendig, auf dem gewöhnlichen materiellen Weg nach heranzuwachsen.

Als Vasudeva die Gestalt der Höchsten Persönlichkeit Gottes in seinem Herzen trug, glich er der glühenden Sonne, deren Strahlen für den gewöhnlichen Menschen unerträglich und versengend sind. Die Gestalt des Herrn im reinen Herzen Vasudevas war von der ursprünglichen Gestalt Krsnas nicht verschieden. Jeder Ort, an dem die Gestalt Krsnas erscheint, besonders das Herz, wird dhama genannt. Dhama bezieht sich nicht nur auf das Erscheinen von Krsnas Gestalt, sondern auch auf das Erscheinen Seines Namens, Seiner Eigenschaften und Seines persönlichen Besitzes, denn dies alles wird gleichzeitig manifestiert.

Dann übertrug sich die ewige Gestalt der Höchsten Persönlichkeit Gottes mit all Ihren Kräften vom Geiste Vasudevas in den Geist Devakis, genau wie sich die Strahlen der untergehenden Sonne auf den im Osten aufgehenden Vollmond übertragen.

Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, ging von Vasudevas Körper in den Körper Devakis ein. Er befand Sich jenseits der begrenzten Existenz gewöhnlicher Lebewesen. Wenn Krsna erscheint, begleiten Ihn alle Seine vollständigen Erweiterungen wie Narayana und Inkarnationen wie Nrsimha, Varaha usw. Sie alle sind den Bedingungen des materiellen Daseins nicht unterworfen. Auf diese Weise wurde Devaki zur Residenz des Herrn, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, dem niemand gleichkommt und der die Ursache der Schöpfung ist. In Devaki befand sich die Absolute Wahrheit, aber weil sie sich im Gefängnis Kamsas befand, glich sie verborgenem Feuer oder missbrauchtem Wissen. Wenn Feuer von Mauern umgeben ist oder im Innern eines Kruges brennt, kann sich niemand an seinem Licht erfreuen. Ebenso wird Wissen nicht wertgeschätzt, wenn es missbraucht wird und der Menschheit nichts nützt. Devaki war in den Gefängnismauern von Kamsas Palast gefangen, und daher konnte niemand ihre transzendentale Schönheit sehen, die darauf beruhte, dass sie die Höchste Persönlichkeit Gottes in sich trug.

Kamsa jedoch bemerkte die übernatürliche Schönheit seiner Schwester und wusste sofort, dass die Höchste Persönlichkeit Gottes in ihren Leib eingegangen war. Sie hatte niemals zuvor so schön ausgesehen, und ihm war klar, dass sich etwas Wunderbares in ihrem Leib befinden musste. Kamsa war beunruhigt, und Angst erfüllte ihn. Er war überzeugt, dass die Höchste Persönlichkeit Gottes, die für ihn den Tod bedeuten sollte, nun erschienen war. Er dachte bei sich: "Was soll ich mit Devaki tun? Zweifelsohne trägt sie Visnu oder Krsna in ihrem Leib; also ist es sicher, dass Krsna gekommen ist, um die Bitte der Halbgötter zu erfüllen. Und selbst wenn ich Devaki sofort töte, kann Sein Vorhaben nicht verhindert werden." Kamsa wusste sehr wohl, dass niemand imstande ist, den Plan Visnus zu vereiteln. Jeder intelligente Mensch kann verstehen, dass die Gesetze Gottes nicht umgangen werden können. Seine Pläne werden trotz aller Widerstände der Dämonen durchgesetzt. Kamsa dachte weiter: "Wenn ich Devaki zum gegenwärtigen Zeitpunkt töte, wird Visnu Seinen höchsten Willen umso heftiger durchsetzen. Devaki jetzt zu töten wäre eine höchst verruchte Handlung. Niemand will seinen Ruf aufs Spiel setzen - nicht einmal in einer gefährlichen Situation -, und wenn ich Devaki jetzt töte, ist es um mein Ansehen geschehen. Devaki ist eine Frau und befindet sich in meiner Obhut; Außerdem ist sie schwanger, und wenn ich sie töte, habe ich mein Ansehen, das Ergebnis meiner frommen Handlungen und meine Lebensdauer verspielt."

Er dachte weiter: "Wer zu grausam ist, ist schon zu Lebzeiten so gut wie tot. Niemand mag einen grausamen Menschen, und nach seinem Tode verfluchen ihn die Leute. Weil er sich mit dem Körper identifiziert, wird er zweifelsohne erniedrigt und in die finstersten Regionen der Hölle geworfen." Auf diese Weise überlegte Kamsa, ob er Devaki töten solle oder nicht, und wägte sorgfältig alle Vor- und Nachteile ab.

Schließlich kam Kamsa zu dem Schluss, Devaki nicht sofort zu töten, sondern die unvermeidliche Zukunft abzuwarten. Seine Gedanken jedoch erfüllten sich mit Hass gegen die Persönlichkeit Gottes. Er wartete geduldig auf die Geburt des Kindes, in der Absicht, es sofort zu töten, wie er es bereits mit den anderen Kindern Devakis getan hatte. Versunken in einen Ozean des Hasses gegen die Persönlichkeit Gottes, begann er, im Sitzen, im Stehen, im Gehen, beim Schlafen, beim Essen, beim Arbeiten - immer und unter allen Umständen - an Krsna und Visnu zu denken. Sein Geist wurde so sehr von Gedanken an die Höchste Persönlichkeit Gottes erfüllt, dass er indirekt überall nur noch Krsna, oder Visnu, sah.

Zu dieser Zeit erschienen Brahma und Shiva, begleitet von grossen Weisen wie Narada und gefolgt von vielen anderen Halbgöttern, unsichtbar im Palast Kamsas, und sie priesen die Höchste Persönlichkeit Gottes mit erlesenen Gebeten, die die Gottgeweihten mit Freude erfüllen und ihre Wünsche zufrieden stellen. Mit den ersten Worten, die sie sprachen, drückten sie ihre Freude darüber aus, dass der Herr Sein Versprechen stets hält. Die Halbgötter wussten, dass Sich der Herr im Leibe Devakis befand, um dieses Versprechen zu erfüllen. Sie waren sehr froh, dass der Herr zu diesem Zwecke erschienen war, und priesen Ihn daher als satyam param, als die Höchste Absolute Wahrheit.

Die materielle Welt besteht aus fünf Hauptelementen: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Alle diese Elemente sind Emanationen Krsnas. Die materialistischen Wissenschaftler erkennen zwar diese fünf Hauptelemente als die Ursache der materiellen Manifestation an, doch sie wissen nicht, dass diese Elemente in ihrem grobstofflichen und feinstofflichen Zustand von Krsna geschaffen wurden. Die Lebewesen, die sich in der materiellen Welt befinden, gehören zur marginalen Energie Krsnas. Im Siebten Kapitel der Bhagavad-gita wird ausführlich erklärt, dass die gesamte kosmische Manifestation eine Kombination zweier Energien Krsnas ist, der höheren und der niederen Energie. Die Lebewesen sind Seine höhere Energie, und die toten materiellen Elemente sind Seine niedere Energie. Im unmanifestierten Zustand ruht alles in Krsna.

Die Halbgötter richteten weitere ehrfurchtsvolle Gebete an die höchste Form der Persönlichkeit Gottes, Krsna, indem sie die materielle Manifestation beschrieben und analysierten. Was ist die materielle Manifestation? Sie ist wie ein Baum, denn ähnlich wie ein Baum im Erdreich wurzelt, so wurzelt der Baum der materiellen Manifestation im Boden der materiellen Natur. Die materielle Manifestation wird auch deshalb mit einem Baum verglichen, weil ein Baum nach einer gewissen Zeit gefällt wird. Das Sanskritwort für "Baum" ist vrksa. Vrksa bedeutet "das, was letzten Endes gefällt wird". Daher kann der Baum der materiellen Manifestation nicht als die endgültige Wahrheit angesehen werden. Auf der materiellen Manifestation lastet der Einfluss der Zeit, doch Krsnas Körper ist ewig. Krsna bestand vor der materiellen Schöpfung, Er besteht während ihrer Manifestation, und Er wird auch nach ihrer Vernichtung weiter bestehen.

Auch in der Katha Upanisad finden wir das Beispiel vom Baum der materiellen Manifestation, der im Boden der materiellen Natur wurzelt. Dieser Baum trägt zwei Früchte: Glück und Leid. Diejenigen, die im Baum des Körpers leben, werden mit zwei Vögeln verglichen. Der eine Vogel ist der lokalisierte Aspekt Krsnas, die Überseele (der Paramatma), und der andere Vogel ist das Lebewesen, die Seele. Das Lebewesen isst die Früchte der materiellen Manifestation. Manchmal isst es die Früchte des Glücks, und manchmal isst es die Früchte des Leids. Der andere Vogel jedoch ist nicht daran interessiert, die Früchte des Leids oder des Glücks zu essen, denn er ist in sich selbst zufrieden. Die Katha Upanisad sagt, dass der eine Vogel auf dem Baum des Körpers die Früchte verzehrt, während der andere Vogel einfach Zeuge ist. Die Wurzeln des Baumes erstrecken sich in drei Richtungen, und sie werden mit den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur verglichen: Tugend, Leidenschaft und Unwissenheit. Ein Baum wächst entsprechend seinen Wurzeln, und entsprechend dem Kontakt mit den drei Erscheinungsweisen wächst die Dauer des Aufenthalts in der materiellen Welt. Die Früchte dieses Baumes haben vier verschiedene Arten des Geschmacks: Religiosität, wirtschaftliche Entwicklung, Sinnenbefriedigung und schließlich Befreiung. Je nach ihrer Verbindung mit den drei Erscheinungsweisen erfahren die Lebewesen den Geschmack verschiedener Arten der Religiosität, des materiellen Fortschritts, der Sinnenbefriedigung und der Befreiung. Im Grunde wird jede Handlung in der materiellen Welt in Unwissenheit ausgeführt, doch weil es drei Erscheinungsweisen gibt, ist die Erscheinungsweise der Unwissenheit manchmal mit Tugend oder Leidenschaft vermischt. Der Geschmack dieser materiellen Früchte wird mit fünf Sinnen wahrgenommen. Die fünf Sinnesorgane, durch die Wissen erworben wird, werden von sechs Arten des Leids gepeitscht: Klagen, Illusion, Schwäche, Tod, Hunger und Durst. Der materielle Körper wird von sieben Schichten bedeckt: Haut, Muskeln, Fleisch, Mark, Knochen, Fett und Samen. Der Baum hat acht Äste: Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther, Geist, Intelligenz und falsches Ego. Es gibt neun Öffnungen im Körper: zwei Augen, zwei Ohren und zwei Nasenlöcher, den Mund, das Geschlechtsteil und den Anus. Außerdem zirkulieren zehn Arten von innerer Luft im Körper: prana, apana, udana, vyana, samana usw. Die beiden Vögel, die in diesem Baum sitzen, sind, wie oben erklärt, das Lebewesen und der lokalisierte Aspekt der Höchsten Persönlichkeit Gottes.

Die ursprüngliche Ursache der materiellen Manifestation ist die Höchste Persönlichkeit Gottes. Die Höchste Persönlichkeit Gottes erweitert Sich und lenkt die drei Erscheinungsweisen der materiellen Welt: Visnu lenkt die Erscheinungsweise der Tugend; Brahma lenkt die Erscheinungsweise der Leidenschaft, und Shiva lenkt die Erscheinungsweise der Unwissenheit. Brahma erschafft das Universum durch die Erscheinungsweise der Leidenschaft; Visnu erhält es durch die Erscheinungsweise der Tugend, und Shiva vernichtet es durch die Erscheinungsweise der Unwissenheit. Die gesamte Schöpfung ruht letztlich im Höchsten Herrn. Er ist der Ursprung von Schöpfung, Erhaltung und Vernichtung. Wenn die gesamte Manifestation aufgelöst worden ist, ruht sie in ihrer feinstofflichen Form, als Energie, im Körper des Höchsten Herrn.

Die Halbgötter fuhren fort: "Der Höchste Herr, Sri Krsna, bereitet nun Sein Erscheinen vor, um für die Erhaltung der Schöpfung zu sorgen." Es gibt nur eine höchste Ursache, doch weniger intelligente Menschen, die von den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur verwirrt werden, glauben, die Entstehung der Welt habe verschiedene andere Ursachen. Wer hingegen intelligent ist, kann erkennen, dass es nur eine Ursache gibt - Krsna. Dies wird in der Brahma-samhita bestätigt: sarva-karana-karanam. "Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, ist die Ursache aller Ursachen." Brahma ist der bevollmächtigte Verantwortliche für die Schöpfung; Visnu, eine Erweiterung Krsnas, ist für die Erhaltung, und Shiva, ebenfalls eine Erweiterung des Höchsten, ist für die Auflösung zuständig.

"O Herr", beteten die Halbgötter, "es ist sehr schwierig, Deine ewige persönliche Gestalt zu verstehen. Die Menschen sind im allgemeinen nicht imstande, Deine wirkliche Gestalt zu erkennen; daher erscheinst Du, um Deine ursprüngliche ewige Gestalt zu offenbaren. Auf irgendeine Weise können die Menschen zwar Deine verschiedenen Inkarnationen verstehen, doch es bereitet ihnen grosse Schwierigkeiten, Dich in Deiner ewigen Gestalt zu verstehen, als der zweiarmige Krsna, der Sich unter ihnen bewegt wie einer der Ihren. Diese ewige Gestalt bereitet den Gottgeweihten ständig anwachsende transzendentale Freude, doch für die Nichtgottgeweihten ist sie sehr bedrohlich." Laut der Bhagavad-gita ist Krsna für die sadhus die Quelle aller Freude, denn dort heißt es: paritranaya sadhunam. Aber derselbe Krsna ist für die Dämonen sehr bedrohlich, weil Er auch erscheint, um die Dämonen zu töten. So ist Krsna gleichzeitig die Ursache grosser Freude für die Gottgeweihten und die Ursache grosser Furcht für die Dämonen.

"O Lotosäugiger", fuhren die Halbgötter fort, "Du bist die Quelle reiner Tugend. Es gibt viele grosse Weise, die den weiten Ozean der Unwissenheit, der von der materiellen Natur geschaffen wurde, auf die Größe einer Wasserpfütze im Hufabdruck eines Kalbes verringerten, da sie die Stufe des samadhi erreichten, das heißt, weil sie über Deine Lotosfüße meditierten und somit in Gedanken an Dich versanken." Das Ziel der Meditation besteht darin, den Geist auf die Persönlichkeit Gottes zu richten, wobei man als erstes über Seine Lotosfüße meditiert. Viele grosse Weise haben schon den weiten Ozean des materiellen Daseins ohne Schwierigkeiten überquert, einfach nur indem sie über die Lotosfüße des Herrn meditierten.

"O Selbsterleuchteter, die grossen Heiligen, die den Ozean der Unwissenheit im transzendentalen Boot Deiner Lotosfüße überquerten, haben das Boot nicht fortgenommen. Es liegt immer noch am Ufer." Die Halbgötter gebrauchen einen sehr schönen Vergleich. Wenn jemand ein Boot benutzt, um einen Fluss zu überqueren, so nimmt er das Boot mit sich auf die andere Seite des Flusses. Wie ist es also möglich, wenn jemand auf diese Weise sein Ziel erreicht hat, dass das gleiche Boot immer noch denen zur Verfügung steht, die am anderen Ufer zurückgeblieben sind? Als Antwort auf diese schwierige Frage sagen die Halbgötter in ihrem Gebet, dass das Boot gar nicht fortgenommen wurde. Deshalb können die Gottgeweihten, die auf der anderen Seite zurückgeblieben sind, den Ozean der materiellen Natur ebenfalls hinter sich lassen, weil die reinen Gottgeweihten das Boot nicht mitnehmen, wenn sie diesen Ozean überqueren. Schon dadurch, dass man sich dem Boot nur nähert, wird der weite Ozean der materiellen Unwissenheit auf die Größe einer Pfütze im Hufabdruck eines Kalbes verkleinert. Daher benötigen die Gottgeweihten kein Boot, um an das andere Ufer zu gelangen - sie überqueren den Ozean einfach mit einem kleinen Schritt. Weil die grossen Heiligen mit allen bedingten Seelen Mitleid haben, liegt das Boot immer noch bei den Lotosfüßen des Herrn. Man kann jederzeit über Seine Lotosfüße meditieren und auf diese Weise den Ozean der materiellen Unwissenheit überqueren.

"O Herr, Du bist zum Wohl aller Lebewesen in der materiellen Welt in Deiner ursprünglichen, reinen Gestalt, der ewigen Gestalt der Tugend, erschienen. Mit Deinem Erscheinen wird ihnen nun die Möglichkeit geboten, Dein Wesen und Deine Gestalt zu verstehen. Die Menschen aller vier Stufen des Lebens (die brahmacaris, die grhasthas, die vanaprasthas und die sannyasis) können aus Deinem Erscheinen Nutzen ziehen.

O Herr, Gemahl der Glücksgöttin, Gottgeweihte, die Dir in Hingabe dienen, fallen - im Gegensatz zu den Unpersönlichkeitsanhängern - nicht wieder von der hohen Stufe herab, die sie erreicht haben. Von Dir beschützt, können Deine Geweihten über die Köpfe von mayas Abgesandten hinwegschreiten, die ihnen auf dem Weg der Befreiung ständig Hindernisse entgegenstellen. O Herr, Du erscheinst zum Wohl aller Lebewesen in Deiner transzendentalen Gestalt, so dass sie Dich von Angesicht zu Angesicht sehen und Dir in Verehrung ihre Opfer darbringen können, indem sie die Rituale der Veden, mystische Meditation oder hingebungsvollen Dienst ausführen, wie es in den Schriften empfohlen wird. O Herr, erschienest Du nicht in Deiner ewigen transzendentalen Gestalt, die voller Glückseligkeit und Wissen ist und die jegliche Art von unwissenden Vorstellungen über Dich zu beseitigen vermag, dann würde jeder, je nach der Erscheinungsweise der materiellen Natur, von der er beherrscht wird, einfach nur über Dich spekulieren."

"O Herr", fuhren die Halbgötter fort, "wenn Du in Deinen verschiedenen Inkarnationen erscheinst, nimmst Du, entsprechend den jeweiligen Situationen, verschiedene Namen und Formen an. Krsna ist Dein Name, weil Du allanziehend bist, und wegen Deiner transzendentalen Schönheit wirst Du Syamasundara genannt. Syama bedeutet 'schwärzlich', und dennoch wird gesagt, dass Du Tausende von Liebesgöttern an Schönheit übertriffst - kandarpa-koti-kamaniya. Obgleich Du in einer Farbe erscheinst, die sich mit der einer schwärzlichen Wolke vergleichen lässt, ist Deine Schönheit, da Du transzendental und absolut bist, um viele Male anziehender als die anmutige Gestalt des Liebesgottes. Manchmal wirst Du Giridhari genannt, weil Du den Berg Govardhana emporgehoben hast, und manchmal wirst Du Nandanandana, Vasudeva oder Devakinandana genannt, weil Du als der Sohn von Maharaja Nanda bzw. von Devaki und Vasudeva erscheinst.

O Herr, man kann Dein absolutes Wesen, Deine absolute Gestalt und Deine absoluten Taten nicht durch mentale Spekulation verstehen. Man muss sich im hingebungsvollen Dienst beschäftigen - dann erst kann man Dich wirklich erkennen. Im Grunde kann nur ein Mensch, der zumindest ein wenig den Geschmack daran gefunden hat, Deinen Lotosfüßen zu dienen, Dein transzendentales Wesen, Deine transzendentale Gestalt und Deine transzendentalen Eigenschaften verstehen. Andere mögen für Millionen von Jahren fortfahren zu spekulieren, doch es wird ihnen nicht gelingen, auch nur den geringsten Aspekt Deiner wirklichen Position zu verstehen."

"Lieber Herr, die Unpersönlichkeitsanhänger und Nichtgottgeweihten können nicht begreifen, dass Dein Name mit Deiner Form identisch ist." Der Gottgeweihte aber, der weiß, dass es keinen Unterschied zwischen dem Namen und der Form Gottes gibt, chantet "Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare" und erfährt auf diese Weise, dass er ständig mit Krsna zusammen ist.

"O Herr, o höchster Herrscher, wenn Du auf der Erde erscheinst, werden alle Dämonen, wie Kamsa und Jarasandha, vernichtet werden, und Glück und Frieden werden auf der Erde wieder einkehren. Wenn Du über die Erde schreitest, werden Deine Lotosfüße die Zeichen auf Deinen Fußsohlen, wie die Fahne, den Dreizack und den Blitz, als Spuren auf dem Boden zurücklassen. Auf diese Weise lässt Du sowohl der Erde als auch uns auf den himmlischen Planeten, die wir diese Zeichen sehen, Deine Gunst zukommen."

"O Herr", beteten die Halbgötter weiter, "Du bist ungeboren, und daher finden wir für Dein Erscheinen keinen anderen Grund, als dass du kommst, um Dich Deiner transzendentalen Spiele zu erfreuen." 

"O Herr, Du erscheinst als der Beste der Yadu-Dynastie, und wir bringen Deinen Lotosfüßen unsere respektvollen, demütigen Ehrerbietungen dar. Vor Deinem jetzigen Erscheinen bist Du als Fisch-Inkarnation erschienen und als Pferde-, Schildkröten-, Eber- und Schwan-Inkarnation, als König Ramacandra, als Parasurama und in vielen anderen Inkarnationen. Du erschienst nur, um Deine Geweihten zu beschützen, und daher bitten wir Dich, dass Du auch uns in Deiner gegenwärtigen Erscheinung als die Höchste Persönlichkeit Gottes überall in den drei Welten Schutz gewähren und alles beseitigen mögest, was uns daran hindert, in Frieden zu leben.

Liebe Mutter Devaki, in deinem Leib befindet Sich der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, der zusammen mit all Seinen vollständigen Erweiterungen erscheint. Er ist die ursprüngliche Persönlichkeit Gottes, die zu unserem Wohl erscheint; daher brauchst du dich vor deinem Bruder, dem König von Bhoja, nicht zu fürchten. Dein Sohn, Sri Krsna, die ursprüngliche Persönlichkeit Gottes, kommt zum Schutz der frommen Yadu-Dynastie. Er erscheint nicht allein, sondern wird von Seiner unmittelbaren vollständigen Erweiterung, Balarama, begleitet."

Devaki fürchtete sich sehr vor ihrem Bruder Kamsa, weil dieser bereits alle ihre Kinder getötet hatte. Daher war sie um Krsna sehr in Sorge. Im Visnu Purana wird gesagt, dass alle Halbgötter mit ihren Frauen Devaki des öfteren besuchten, um sie zu ermutigen, keine Angst zu haben, dass ihr Sohn von Kamsa getötet werde; Krsna, der Sich in ihrem Leib befinde, erscheine nicht nur, um die Welt von ihrer Last zu befreien, sondern vor allem auch, um die Interessen der Yadu-Dynastie zu verteidigen, und natürlich auch, um Devaki und Vasudeva zu beschützen. Krsna befand Sich nun also in Devakis Leib, nachdem Er von Vasudevas Geist in den Geist Devakis übergegangen war. So wurde Devaki, Krsnas Mutter, von den Halbgöttern verehrt.

Nachdem die Halbgötter auf diese Weise der transzendentalen Form des Herrn ihre Verehrung dargebracht hatten, kehrten sie alle, mit Brahma und Shiva an der Spitze, in ihre Reiche auf den himmlischen Planeten zurück.

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