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Kapitel 32 / Beschreibung des rasa-Tanzes Als die gopis die besänftigenden Worte Krsnas, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, vernahmen, schmolzen ihre Herzen vor Freude. Und als sie dann die Hände und Beine der Höchsten Persönlichkeit Gottes berührten, verflog ihr heftiger Trennungsschmerz vollends. Dann begann Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, Seinen rasa-Tanz. Ein Tanz mit vielen Mädchen wird rasa-Tanz genannt. Krsna tanzte inmitten der schönsten und glücklichsten Mädchen aller drei Welten, und so durften die gopis von Vrndavana, die so sehr in Krsna verliebt waren, mit Ihm zusammen Hand in Hand tanzen. Krsnas rasa-Tanz darf niemals mit weltlichen Tänzen verglichen werden, wie sie an den verschiedensten Festen und bei Gesellschaftsveranstaltungen üblich sind. Der rasa-Tanz ist völlig spirituell, und um diese Tatsache zu bestätigen, erweiterte Sich Krsna, der höchste Mystiker, in viele Formen und begab Sich so zu jeder einzelnen gopi. Er legte Seine Arme um die Schultern der beiden gopis, die jeweils zu Seiner Seite standen, und in ihrer Mitte begann Er zu tanzen. Die gopis konnten die mystischen Erweiterungen Krsnas nicht wahrnehmen, denn Krsna erschien allein vor jeder einzelnen gopi, und so dachte jede gopi, Krsna tanze nur mit ihr allein. Über dem Wald von Vrndavana versammelten sich die Bewohner der himmlischen Planeten in ihren Himmelsflugzeugen, da sie unbedingt sehen wollten, wie Krsna auf wunderbare Weise zusammen mit den gopis tanzte. Die Gandharvas und Kinnaras begannen zu singen, und zusammen mit ihren Frauen ließen die Gandharvas Blumen auf den Schauplatz des rasa-Tanzes herunterregnen. Als die gopis und Krsna miteinander tanzten, ertönte ein glückseliges Klingeln von ihren Glöckchen, Schmuckstücken und Goldreifen. Krsna glich einem grünlich schimmernden Saphir, der sich in der Mitte einer goldenen, mit Edelsteinen besetzten Halskette befindet. Während Er und die gopis zusammen tanzten, offenbarte sich ihre Außergewöhnliche körperliche Schönheit: die Bewegungen ihrer Beine, die Art und Weise, wie sie ihre Hände aufeinander legten, die Bewegungen ihrer Augenbrauen, ihr Lächeln und die rhythmischen Bewegungen der Brüste der gopis und ihrer Kleider, ihrer Ohrringe, ihrer Wangen und ihres Haares, in dem wundervolle Blumen steckten. Wie sie so zusammen sangen und tanzten, sahen sie aus wie Wolken, die von Donner, Schnee und Blitzen begleitet werden. Krsnas bezaubernde Erscheinung erinnerte an eine Zusammenballung von Wolken, ihre Lieder waren wie Donner, die Schönheit der gopis leuchtete wie Blitze vom Himmel, und die Schweißperlen auf ihren Gesichtern sahen aus wie fallende Schneeflocken. Auf diese Weise ließen sich die gopis und Krsna im Tanze treiben. Der Hals der gopis nahm eine rötliche Färbung an, weil ihr Verlangen nach Krsna immer stärker wurde. Um dieses Verlangen zu befriedigen, begann Krsna im Takt ihrer Lieder in die Hände zu klatschen. Weil die gopis Krsna erfreuen wollten, antworteten sie Ihm, als Er sang, mit ermutigenden Worten: "Wie wunderschön Du singst! Sing weiter, sing weiter." Und manchmal waren es auch die gopis, die zu Krsnas Freude wunderschöne Melodien sangen, und Krsna antwortete ihnen Seinerseits mit lobenden Worten. Als einige gopis von den Bewegungen des Tanzens müde wurden, legten sie ihre Hände auf Sri Krsnas Schultern. Ihr Haar öffnete sich, und die Blumen fielen auf den Boden. Als die gopis ihre Hände auf Krsnas Schulter legten, wurden sie vom betörenden Duft Seines Körpers überwältigt, der von vielen wohlriechenden Blumen, wie dem Lotos, und von Seiner Sandelholzpaste ausging. Ihr Herz überströmte vor Liebe zu Krsna, und so begannen sie sich zu küssen. Einige der gopis legten ihren Kopf an Krsnas Wange, und Krsna bot ihnen die gekauten Betelnüsse aus Seinem Mund an, die sie im Kuss mit grosser Freude austauschten. Und indem die gopis diese Betelnüsse annahmen, drangen sie auf dem spirituellen Pfad weiter vor. Nach dem langen Singen und Tanzen wurden die gopis müde, und um sich in ihrer Erschöpfung zu erfrischen, nahmen sie die Hand von Sri Krsna, der neben ihnen tanzte, und legten sie auf ihre erhobenen Brüste. Krsnas Hand wie auch die Brüste der gopis sind ewig glückverheißend, und als sie sich berührten, steigerten sich deshalb ihre spirituellen Qualitäten noch mehr. Die gopis erfüllte das Zusammensein mit Krsna, dem Gemahl der Glücksgöttin, mit solcher Glückseligkeit, dass sie vergaßen, jemals bei einem anderen Ehemann gewesen zu sein. Und als Krsna sie in Seine Arme schloss und sie mit Ihm tanzten und sangen, vergaßen sie alles. Das Srimad-Bhagavatam beschreibt die Schönheit der gopis, während sie sich zusammen mit Krsna im rasa-Tanz bewegten, auf folgende Weise: Sie hatten sich über ihren Ohren Lotosblumen ins Haar gesteckt, und ihre Gesichter waren mit Sandelholzpaste geschmückt. Sie trugen tilaka, und auf ihren lächelnden Lippen standen kleine Schweißperlen. Die Glöckchen und die Reife an ihren Fußgelenken klingelten hell: Die Blumen, die sie sich ins Haar gesteckt hatten, fielen vor Krsnas Lotosfüße, und Er war sehr zufrieden. Indem Krsna ihren Körper mit Seinen Händen berührte und in ihre glückstrahlenden Augen blickte, vergnügte Er Sich mit den gopis, genau wie sich ein Kind vergnügt, wenn es mit seinem Bild im Spiegel spielt. Als Krsna die verschiedenen Teile ihres Körpers berührte, fühlten die gopis, wie sie von spiritueller Energie durchdrungen wurden. Sie versuchten vergeblich, ihre gelockerten Kleider wieder richtig anzuziehen. Ihr Haar und ihre Kleider gerieten durcheinander, und auch ihr Schmuck löste sich, als sie sich völlig Krsnas Gemeinschaft hingaben und alles andere vergaßen. Als Krsna auf diese Weise die Gemeinschaft der gopis im rasa-Tanz genoss, versammelten sich die erstaunten Halbgötter mit ihren Gemahlinnen am Himmel. Der Mond wurde von einer Art Lust ergriffen, und gebannt vor Verwunderung, ließ er seinen Blick auf den Tanzenden ruhen. Die gopis hatten zur Göttin Katyayani gebetet, Krsna zum Gemahl zu bekommen, und nun erfüllte ihnen Krsna diesen Wunsch, indem Er Sich in die Anzahl der gopis erweiterte und so ihre Gemeinschaft wie ein Ehemann genoss. Als Krsna sah, dass die gopis vom langen Tanzen müde wurden, liebkoste Er ihr Gesicht mit zärtlichen Handbewegungen, um so alle Müdigkeit in ihnen zu vertreiben. Die gopis ihrerseits erwiderten Krsnas Zärtlichkeit mit liebevollen Blicken. Die glückverheißende Berührung durch Krsnas Hände ließ sie innerlich jubeln, und ihre lächelnden Wangen strahlten vor Schönheit. Dann begannen die gopis in transzendentaler Freude, Krsnas ruhmvolle Taten und Spiele zu besingen. Je länger die gopis Krsnas Gemeinschaft genießen durften, desto mehr wurden sie, da sie reine Gottgeweihte waren, mit Seiner Herrlichkeit erleuchtet. Auf diese Weise erwiderten die gopis Seine Zuneigung. Sie wollten Krsna erfreuen, indem sie Seine transzendentalen Spiele verherrlichten. Krsna ist die Höchste Persönlichkeit Gottes, der Meister aller Meister, und die gopis wollten Ihn aus Dankbarkeit Ruhm preisen, weil Er sie mit Seiner besonderen Barmherzigkeit gesegnet hatte. Die gopis und Krsna begaben sich in das Wasser der Yamuna, um ihre Müdigkeit, die vom langen rasa-Tanz herrührte, zu vertreiben. Die Lilien der Girlanden, die die gopis um ihren Hals trugen, waren unter den vielen Umarmungen zerdrückt und in Unordnung gebracht worden und hatten sich zum Teil schon gelöst, und der rote kunkuma von den Brüsten der gopis hatte diese hellen Blumen rötlich gefärbt. Bienen summten in ihrer Nähe, um den Honig dieser Blumen zu bekommen. Als Krsna auf diese Weise zusammen mit den gopis in das Wasser der Yamuna stieg, glich Er einem Elefanten, der zusammen mit seinen Weibchen ein Bad nimmt. Als die gopis und Krsna im Wasser miteinander spielten und sich vergnügten, um sich von der Anstrengung des rasa-Tanzes zu erholen, vergaßen sie ihre wirkliche Identität. Die gopis begannen, Krsna anzuspritzen, und lachten dabei schelmisch, und Krsna hatte Seinen Spaß daran. Es bereitete ihnen grosse Freude, sich auf diese Weise scherzende Worte zuzurufen und sich gegenseitig anzuspritzen, und als die Halbgötter auf den himmlischen Planeten dies sahen, ließen sie Blumen vom Himmel regnen. Damit lobpriesen sie den unvergleichlichen rasa-Tanz Krsnas, des höchsten Genießers, und Seine Spiele zusammen mit den gopis im Wasser der Yamuna. Nach einiger Zeit stiegen Sri Krsna und die gopis wieder aus dem Wasser und schlenderten gemeinsam am Ufer der Yamuna entlang, wo ein angenehmer Wind wehte, der den Duft der verschiedensten Blumen über das Wasser und das Land trug. Während sie am Ufer der Yamuna entlanggingen, trug Krsna die verschiedensten Gedichte vor. Auf diese Weise genoss Krsna im milden Licht des Herbstmondes die Gemeinschaft der gopis. Um Missverständnisse über den rasa-Tanz und die liebende Beziehung zwischen Krsna und den gopis zu vermeiden, sagte Maharaja Pariksit, der dem Vortrag des Srimad-Bhagavatam lauschte, zu Sukadeva Gosvami: "Krsna erschien auf der Erde, um die regulierenden Prinzipien der Religion wieder einzuführen und um die Vorherrschaft der Irreligion zu brechen. Sein Verhältnis mit den gopis indessen scheint mir die irreligiösen Prinzipien in der materiellen Welt beinahe zu befürworten. Es überrascht mich deshalb, zu hören, dass Er auf solche Weise handelte und mitten in der Nacht die Gemeinschaft verheirateter Frauen genoss." Sukadeva Gosvami freute sich sehr über diese Worte Maharaja Pariksits. Maharaja Pariksit hatte mehrere bedeutungsvolle Worte verwendet, die der näheren Erläuterung bedürfen. Das erste dieser Worte lautet jugupsitam und bedeutet "verabscheuenswert". Maharaja Pariksits erstes Bedenken besagte also folgendes: Sri Krsna ist die Höchste Persönlichkeit Gottes, und Er erschien, um die religiösen Prinzipien wieder einzuführen. Warum also traf Er Sich mitten in der Nacht mit verheirateten Frauen und vergnügte Sich mit ihnen, indem Er mit ihnen tanzte, sie umarmte und küsste? Die vedischen Anweisungen verbieten dies streng. Er Selbst hatte anfangs zu den gopis gesagt, als sie zu Ihm kamen, dass sie wieder nach Hause gehen sollten. Verheiratete Frauen oder junge Mädchen zu sich zu rufen, um sich mit ihnen zu vergnügen und mit ihnen zu tanzen, wird von den Veden als höchst verabscheuenswert bezeichnet. Warum sollte Krsna dies getan haben? Sukadeva Gosvami antwortete sogleich, dass eine Verletzung der religiösen Prinzipien durch den höchsten Kontrollierenden nur ein weiterer Beweis Seiner unbegrenzten Macht sei. Es sei wie mit dem Feuer, das alles Abscheuliche verbrennen könne; darin zeige sich die überlegene Kraft des Feuers. Ebenso habe die Sonne die Kraft, aus Kot und Urin Wasser zu ziehen, ohne dabei selbst verunreinigt zu werden; vielmehr werde der unreine, schmutzige Ort durch die reinigende Kraft der Sonnenstrahlen entkeimt und desinfiziert. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass sich die gopis, die mit Krsna tanzten, nicht in ihrem materiellen Körper befanden. Sie tanzten in ihrem spirituellen Körper mit Krsna. Währenddessen dachten die sogenannten Ehemänner der gopis, dass ihre Frauen an ihrer Seite schliefen, denn sie alle waren bereits vom Einfluss der äußeren Energie Krsnas verblendet worden, und diese Energie erlaubte es ihnen nicht, zu erkennen, dass ihre Frauen fortgegangen waren, um mit Krsna zu tanzen. Wie stichhaltig ist also die Anschuldigung, Krsna habe mit den Frauen anderer Männer getanzt? Die Körper der gopis, die ihren Ehemännern gehörten, lagen im Bett; es waren die spirituellen Bestandteile Krsnas, die mit Ihm tanzten. Krsna ist die höchste Person, das spirituelle Ganze, und Er tanzte mit den spirituellen Körpern der gopis. Als der rasa-Tanz vorüber war, ging die Nacht ihrem Ende entgegen (diese Nacht war so lang wie eine Nacht Brahmas, und wie es in der Bhagavad-gita heißt, ist dies eine unvorstellbar lange Zeitspanne), und die brahma-muhurta brach an. Die brahma-muhurta beginnt ungefähr ein einhalb Stunden vor Sonnenaufgang. Die Zeit der brahma-muhurta eignet sich besonders gut zur Durchführung spiritueller Tätigkeiten. Als nun diese glückverheißende Stunde gekommen war, bat Krsna die gopis, Ihn zu verlassen. Obwohl es den gopis, die Krsna so lieb waren, schwer fiel, Seine Gemeinschaft aufzugeben, waren sie Ihm gehorsam, und so gingen sie sofort nach Hause, als Krsna sie dazu aufforderte. Srila Visvanatha Cakravarti Thakura weist darauf hin, dass nach der Aussage der Bhagavad-gita jeder Tag und jede Nacht Brahmas eine Zeitspanne von 4 300 000 x 1000 Sonnenjahren umfasst. Laut Visvanatha Cakravarti Thakura fand der rasa-Tanz während des langen Zeitraumes von Brahmas Nacht statt, ohne dass sich die gopis darüber Bewusst waren. Nur um den Wunsch der gopis zu erfüllen, hatte Krsna die Dauer der Nacht auf eine solch unermessliche Zeitspanne anwachsen lassen. Aus diesem Grund bekamen die gopis, die sich so sehr nach Krsnas Gemeinschaft gesehnt hatten, die Möglichkeit, mit Ihm für eine solch lange Zeit zusammenzusein. Damit hielt Er Sein Versprechen ein, das Er den gopis gegeben hatte, als Er ihre Kleider stahl. Damals hatten die gopis am Ciraghata in der Yamuna gebadet, und Krsna hatte ihnen versprochen, in einer Nacht in der Zukunft ihren Herzenswunsch zu erfüllen. So geschah es in dieser Nacht, dass die gopis Krsna als ihren geliebten Gemahl in die Arme schließen durften, doch diese Nacht war keine gewöhnliche Nacht. Es war eine Nacht Brahmas, die Millionen und Abermillionen von Jahren währt. Für Krsna ist alles möglich, denn Er ist der höchste Kontrollierende. vorheriges Kapitel zur Übersicht nächstes Kapitel
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