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33 / Die Befreiung Vidyadharas und der Tod des Dämons Sankhasura

Eines Tages beschlossen die Kuhhirten von Vrndavana, angeführt von Nanda Maharaja, nach Ambikavana zu gehen, um die Sivaratri-Zeremonie durchzuführen. 

Ambikavana liegt irgendwo in der Provinz Gujarat, und es heißt, dass sich Ambikavana am Ufer der Sarasvati befinde, doch heute finden wir in der Provinz Gujarat keinen Fluss namens Sarasvati; der einzige Fluss dort heißt Savarmati. In Indien liegen alle berühmten Pilgerorte an heiligen Flüssen wie dem Ganges, der Yamuna, Sarasvati, Narmada, Godavari, Kaveri usw. Ambikavana befand sich am Ufer der Sarasvati, und alle Kuhhirten zogen gemeinsam mit Nanda Maharaja dorthin.

In Ambikavana verehrten sie mit viel Hingabe die Bildgestalten Shivas und Ambikas. Es ist allgemein der Brauch, dass überall dort, wo ein Tempel Shivas steht, auch ein Tempel Ambikas (oder Durgas) stehen muss, denn Ambika ist die Gattin Shivas und die erhabenste aller keuschen Frauen. Sie lebt niemals getrennt von ihrem Gatten. Nachdem die Kuhhirten von Vrndavana in Ambikavana angekommen waren, nahmen sie zuerst ein Bad in der Sarasvati. Wenn man eine Pilgerstätte besucht, ist es die erste Pflicht, ein Bad zu nehmen, und manchmal auch, sich den Kopf zu rasieren. Das ist das erste, was man zu tun hat. Nachdem die Kuhhirten also in der Sarasvati gebadet hatten, verehrten sie die Bildgestalten, und anschließend verteilten sie an diesem heiligen Ort Spenden.

Die Pilger müssen also ein Bad nehmen, die Bildgestalten verehren und Spenden geben; Außerdem wird ihnen geraten, einen Tag lang zu fasten. Wenn sie einen Pilgerort besuchen, sollten sie mindestens drei Tage lang dort bleiben. Während des ersten Tages fasten die Pilger, und am Abend dürfen sie ein wenig Wasser trinken, da durch Wasser das Fasten nicht gebrochen wird.

Die Kuhhirten und ihr Anführer, Nanda Maharaja, verbrachten die erste Nacht am Ufer der Sarasvati. Sie hatten während des ganzen Tages gefastet, und am Abend hatten sie ein wenig Wasser zu sich genommen und sich dann zur Ruhe gelegt. Während der Nacht jedoch kroch aus dem nahegelegenen Wald eine riesengroße Schlange zu den schlafenden Kuhhirten hin und stürzte sich auf Nanda Maharaja, um ihn gierig zu verschlingen. In seiner hilflosen Lage rief Nanda: "Mein lieber Sohn, Krsna, bitte komm und hilf mir! Ich werde von einer Schlange verschlungen!" Nanda Maharajas Hilferufe weckten all die anderen Kuhhirten, die erschrocken von ihren Lagern hochfuhren, und als sie sahen, was vor sich ging, holten sie sofort brennende Holzscheite aus dem Feuer und schlugen damit wild auf die Schlange ein, um sie zu töten. Doch obwohl die Riesenschlange mit brennenden Scheiten geschlagen wurde, wollte sie nicht von Nanda Maharaja ablassen.

Dann jedoch erschien Krsna auf dem Schauplatz, und Er berührte die Schlange mit Seinen Lotosfüßen. Sowie die Schlange von Krsnas Lotosfüßen berührt wurde, brach der Reptilienkörper in sich zusammen, und hervor kam ein wunderschöner Halbgott. Es war der Halbgott Vidyadhara, dessen körperliche Schönheit so groß war, dass er würdig schien, verehrt zu werden. Ein Strahlen und Leuchten ging von seinem Körper aus, und er war mit einer goldenen Halskette geschmückt. Er brachte Sri Krsna sogleich seine Ehrerbietungen dar und stellte sich in aller Demut vor Ihm hin. "Du scheinst ein erhabener Halbgott zu sein", sagte Krsna zu Vidyadhara, "und dazu scheinst du in der Gunst der Glücksgöttin zu stehen. Wie kommt es also, dass du solch abscheuliche Taten begingst, dass du im Körper einer Schlange geboren werden musstest?" Daraufhin erzählte der Halbgott die Geschichte seines vorangegangenen Lebens.

"Mein lieber Herr", sprach er, "in meinem letzten Leben hieß ich Vidyadhara, und ich war auf der ganzen Welt berühmt für meine Schönheit. Weil ich eine gefeierte Persönlichkeit war, pflegte ich in meinem Himmelsflugzeug überallhin zu reisen, und eines Tages erblickte ich den grossen Weisen Angira. Er war sehr hässlich, und da mir meine Schönheit zu Kopf gestiegen war, wagte ich es, ihn auszulachen. Zur Strafe für dieses Vergehen verfluchte mich der Weise, den Körper einer Schlange anzunehmen."

Der Halbgott Vidyadhara sagte weiter zu Sri Krsna: "Weil ich auf die ausnehmende Schönheit meines Körpers sehr stolz war, verspottete ich das hässliche Aussehen des grossen Weisen Angira, worauf er mich verfluchte, eine Schlange zu werden. Doch nun erkenne ich, dass dieser Fluch des Weisen in Wirklichkeit gar kein Fluch war, sondern eine grosse Segnung. Hätte er mich nämlich nicht verflucht, wäre ich niemals von Deinen Lotosfüßen getreten und dadurch von aller materiellen Verunreinigung befreit worden."

"Lieber Herr", fuhr Vidyadhara fort, "nun, da ich glaube, von allen Sünden befreit worden zu sein, bitte ich Dich um die Erlaubnis, in mein Reich auf den himmlischen Planeten zurückzukehren." 

Vidyadhara, der auf Krsnas Erlaubnis wartete, zu den himmlischen Planeten zurückzukehren, erklärte weiter: "Nun, da mich Deine Lotosfüße berührt haben, bin ich von allen materiellen Qualen befreit. Du bist der mächtigste aller Mystiker; Du bist die ursprüngliche Höchste Persönlichkeit Gottes; Du bist der Herr aller Gottgeweihten, und Du bist der Erhalter aller Planetensysteme. Deshalb bitte ich Dich um die Erlaubnis, in mein Reich zurückzukehren. Nimm mich Gütigerweise als eine Dir völlig ergebene Seele an. Ich weiß sehr wohl, dass Menschen, die ständig Deinen Heiligen Namen chanten, von allen sündhaften Reaktionen erlöst werden, ganz zu schweigen also von denjenigen, die das Glück haben, von Deinen Lotosfüßen berührt zu werden. Ich bin überzeugt, dass ich nun vom Fluch des brahmana erlöst bin, da ich von Deinen Lotosfüßen berührt wurde."

Auf diese Weise erhielt Vidyadhara von Sri Krsna die Erlaubnis, in seine Heimat auf den himmlischen Planeten zurückzukehren. Dankbar für diese Ehre, umkreiste er den Herrn, und nachdem er Ihm seine respektvollen Ehrerbietungen erwiesen hatte, kehrte er zu seinem Planeten zurück. Auf diese Weise wurde Nanda Maharaja aus dem Rachen der furchterregenden Schlange gerettet. Die Kuhhirten, die nach Ambikavana gepilgert waren, um Shiva und Ambika zu verehren, führten diese feierliche Zeremonie zu Ende und traten danach die Rückreise nach Vrndavana an. Unterwegs erinnerten sie sich an Krsnas wundervolle Taten, und wie sie so über den Vorfall von Vidyadharas Befreiung sprachen, steigerte sich ihre Zuneigung zu Krsna. Sie waren gekommen, um Shiva und Ambika zu verehren, aber das Ergebnis war, dass sie sich noch mehr zu Krsna hingezogen fühlten. Ebenso hatten die gopis die Göttin Katyayani verehrt, um dadurch noch größere Liebe zu Krsna zu gewinnen.

Einige Zeit nach diesem Vorfall begaben Sich Krsna und Sein älterer Bruder Balarama, die beide unvorstellbar mächtig sind, während einer milden Nacht in den Wald von Vrndavana, und die Mädchen aus Vrajabhumi begleiteten sie dabei. So genossen sie gemeinsam die späte Abendstunde. Die jungen Mädchen aus Vraja waren sehr schön gekleidet und mit Sandelholzpaste und Blumen geschmückt. Der Mond leuchtete am Himmel, umringt von funkelnden Sternen. Ein sanfter Wind trug den süßen Duft der mallika-Blumen mit sich, und die Hummeln waren wie verrückt nach diesem Duft. In dieser bezaubernden Atmosphäre begannen Krsna und Balarama, die schönsten Melodien zu singen, und die gopis wurden von Ihren rhythmischen Liedern so gefangen, dass sie alles andere vergaßen und sich kaum mehr beherrschen konnten; ihr Haar löste sich, ihre Kleider verrutschten, und ihre Blumengirlanden fielen zu Boden.

Während die gopis fast wie von Sinnen Krsnas und Balaramas Liedern zuhörten, erschien plötzlich ein Dämon unter ihnen, der zum Bekanntenkreis Kuveras, des Schatzmeisters der himmlischen Planeten, gehörte. Der Dämon hieß Sankhasura, da er auf seinem Kopf einen kostbaren Juwel trug, der einem Muschelhorn glich. Genau wie einst die beiden eitlen Söhne Kuveras vor Stolz auf ihren Reichtum die Gegenwart Narada Munis nicht zu würdigen wussten, so war auch dieser Sankhasura wegen seines materiellen Reichtums so eingebildet, dass er Krsna und Balarama einfach nur für ordinäre Kuhhirtenjungen hielt, die es sich anmaßten, die Gemeinschaft vieler schöner Mädchen zu genießen. In der materiellen Welt ist es für gewöhnlich so, dass ein Mann, der sehr reich ist, glaubt, alle schönen Frauen seien für ihn bestimmt. Und genau dieser Auffassung war auch Sankhasura. Er glaubte, weil er zur reichen Gefolgschaft Kuveras gehöre, sei es nur recht und billig, wenn er, und nicht Krsna und Balarama, sich an so vielen hübschen Mädchen erfreue. Er beschloss daher, sie alle zu rauben. Unvermittelt erschien er vor Krsna und Balarama und den Mädchen von Vraja und machte sich bedenkenlos daran, die Mädchen vor Krsnas und Balaramas Augen gewaltsam in den Norden fortzutreiben. Als die Mädchen von Vraja auf diese Weise gewaltsam entführt wurden, riefen sie laut Krsna und Balarama zu Hilfe. Sogleich nahmen die beiden Brüder grosse Holzknüppel in die Hand und folgten ihnen. "Habt keine Angst! Habt keine Angst!" riefen sie den gopis zu. "Wir kommen sofort und töten den Dämon." Gleich darauf hatten sie Sankhasura eingeholt. Der Dämon, dem die beiden Brüder zu mächtig erschienen, ließ die gopis stehen und rannte davon, um sein Leben zu retten. Aber Krsna wollte ihn nicht entkommen lassen. Er vertraute die gopis der Obhut Balaramas an und verfolgte Sankhasura, wohin auch immer dieser floh, denn Krsna hatte es auf den wertvollen, muschelähnlichen Juwel abgesehen, den der Dämon auf seinem Kopf trug. Schon nach kurzer Distanz bekam Krsna den Dämon zu fassen und schlug ihm mit der Faust auf den Kopf, worauf der Dämon sein Leben aushauchte. Dann nahm Krsna den kostbaren Juwel an Sich und kehrte zu den anderen zurück. Vor den Augen der Mädchen von Vraja überreichte Er das wertvolle Schmuckstück Seinem älteren Bruder Balarama.

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