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Kapitel 36 / Krsna tötet die Dämonen Kesi und Vyomasura Nachdem der Dämon Kesi Kamsas Anweisungen gehört hatte, verwandelte er sich in ein grässliches Pferd. Mit flatternder Mähne galoppierte er los, wobei seine Hufe die Erde tief aufwühlten, und so erreichte er das Gebiet von Vrndavana. Er ließ ein grelles Wiehern erschallen, wodurch er die ganze Welt in Angst und Schrecken versetzte. Krsna schaute Sich alles an - wie der Dämon ohrenbetäubend wieherte, wie er mit seinem Schweif, der einer riesigen Wolke glich, durch die Luft peitschte und wie alle Bewohner von Vrndavana vor Entsetzen erstarrten. Krsna wusste, dass dieses Pferd gekommen war, um Ihn zum Kampf herauszufordern, und Er wollte die Herausforderung annehmen. So trat der Herr dem Kesi-Dämon entgegen und provozierte ihn mit lauten Rufen, so dass das Pferd mit einem zornentbrannten Schnauben, das an das Brüllen eines Löwen erinnerte, auf Krsna losrannte. Mit grosser Geschwindigkeit stürmte Kesi auf den Herrn zu und versuchte, Ihn mit seinen kraftstrotzenden und steinharten Beinen zu überrennen, doch Krsna packte ihn blitzschnell an den Beinen und stoppte ihn. Erbost wie Er war, hob Krsna den Pferdedämon kurzerhand in die Luft, wirbelte ihn ein paar Mal herum und schleuderte ihn dann hundert Meter von Sich, genau wie es Garuda mit einer grossen Schlange macht. Der Pferdedämon verlor sogleich das Bewusstsein, doch nach kurzer Zeit kam er wieder zu sich, und mit Wut und grossem Ungestüm rannte er erneut auf Krsna zu - diesmal mit weit aufgerissenem Maul. Doch gerade als sich Kesi auf Krsna stürzen wollte, schlug ihm Krsna Seine linke Faust ins Maul. Das Pferd zuckte unter unerträglichem Schmerz zusammen, denn Krsnas Faust fühlte sich an wie ein glühender Eisenstab, und all seine Zähne waren zersplittert. Krsnas Hand dehnte sich schlagartig im Rachen des Pferdes aus und verschloss ihm die Kehle. Daraufhin begann der Kesi-Dämon zu röcheln; sein ganzer Körper war von Schweiß überströmt, und er schlug nach allen Seiten aus. Bei seinem letzten Atemzug schließlich quollen ihm die Augen über, und gleichzeitig traten Kot und Urin aus ihm hervor. Auf diese Weise verließ ihn die Lebenskraft, und als er tot dalag, lockerten sich seine Kiefer, so dass Krsna Seine Hand ohne Schwierigkeiten herausziehen konnte. Für Krsna war es nichts Besonderes gewesen, den Kesi-Dämon so problemlos zu töten, doch die Halbgötter waren von Erstaunen überwältigt, und mit grosser Bewunderung gratulierten sie Krsna, indem sie Blumen vom Himmel regnen ließen. Nach diesem Vorfall suchte Narada Muni, der größte aller Gottgeweihten, Krsna an einem einsamen Ort auf und richtete folgende Worte an Ihn: "Lieber Herr, Sri Krsna, Du bist die unbegrenzte Überseele, der höchste Gebieter aller mystischen Kräfte, der Herr des gesamten Universums und die allgegenwärtige Persönlichkeit Gottes. In Dir ruht die ganze kosmische Manifestation. Du bist der Meister aller Gottgeweihten und der Herr eines jeden. Mein lieber Herr, als die Überseele aller Lebewesen bist Du in ihren Herzen verborgen wie das Feuer im Holz. Du bist der Zeuge aller Handlungen, die die Lebewesen ausführen, und Du bist der höchste Herrscher in ihren Herzen. Du bist in Dir Selbst zufrieden; Du hast schon vor der Schöpfung existiert, und durch Deine unvorstellbare Energie hast Du das gesamte materielle Universum erschaffen. Nach Deinem vollkommenen Plan wurde die materielle Welt durch die Wechselwirkungen der drei Erscheinungsweisen der Natur hervorgebracht, und von Dir wird sie erhalten und schließlich vernichtet. Obgleich Du von diesen Vorgängen niemals berührt wirst, bist Du ewig der höchste Kontrollierende. Mein lieber Herr, Du bist auf der Welt erschienen, um alle vermeintlichen Könige, die in Wirklichkeit Dämonen sind, zu töten. Diese Schreckgespenster betrügen die Leute, indem sie sich als Fürsten und Führer verkleiden. Du Selbst sagst, dass Du in die materielle Welt kommst, nur um die Prinzipien der Religion zu beschützen und die unerwünschten Schurken zu vernichten; und deshalb bist Du nun erschienen, damit sich all Deine Worte erfüllen. Lieber Herr, ich bin mir daher sicher, dass Du übermorgen die Dämonen Canura und Mustika wie auch alle anderen Ringkämpfer samt ihren Elefanten, ja sogar Kamsa selbst, töten wirst. Dies werde ich mit eigenen Augen sehen dürfen. Danach, so hoffe ich, werde ich dabei sein dürfen, wenn Du andere Dämonen, wie Sankha, Yavana, Mura und Narakasura, vernichtest. Außerdem werde ich sehen, wie Du die parijata-Blume aus dem himmlischen Königreich raubst und wie Du danach den König des Himmels persönlich besiegst." "Mein lieber Herr", fuhr Narada Muni fort, "danach werde ich sehen können, wie Du viele Prinzessinnen - die Töchter von edelsten Königen - heiraten wirst, indem Du ihren Preis mit der Stärke eines ksatriya bezahlst." (Immer wenn ein ksatriya eine sehr schöne und tugendhafte Tochter eines grossen Königs heiraten möchte, muss er mit seinen Rivalen kämpfen und sie besiegen. Dann wird ihm die Hand der Prinzessin als Siegespreis übergeben.) "Des weiteren werde ich sehen können, wie Du König Nrga aus einem höllischen Dasein erlöst", sagte Narada Muni. "Dies wird sich in Dvaraka ereignen. Danach werde ich mit ansehen dürfen, wie Du Deine Gemahlin findest, wie Du den Syamantaka-Juwel geschenkt bekommst und wie Du den Sohn eines brahmana wieder ins Leben zurückrufst, nachdem dieser schon auf einen anderen Planeten gebracht worden war. Danach wirst Du den Dämon Paundraka töten und das Königreich von Kasi in Schutt und Asche legen. Ich werde auch sehen können, wie Du in mehreren grossen Schlachten, die Du in Maharaja Yudhisthiras Interesse führst, den König von Cedi und Dantavakra tötest. Dazu werde ich viele andere Deiner heldenhaften Taten bewundern können, die Du während Deines Aufenthaltes in Dvaraka vollbringen wirst. All diese wundervollen Taten, die Du aus Deiner Barmherzigkeit ausführst, werden zu allen Zeiten von grossen Dichtern gepriesen werden. Schließlich wirst Du an der Schlacht von Kuruksetra teilnehmen und den Streitwagen Deines Freundes Arjuna lenken, und als die unüberwindliche Todesinkarnation, die ewige Zeit, wirst Du alle anwesenden Streitmächte vernichten. Ich sehe auch, wie unzählige Krieger auf dem Schlachtfeld fallen. Mein Herr, ich erweise Deinen Lotosfüßen meine achtungsvollen Ehrerbietungen. Du befindest Dich ewig in Deiner transzendentalen Stellung - in vollkommenem Wissen und vollkommener Glückseligkeit. Du bist in Dir Selbst vollkommen, und Du bist über alle Wünsche erhaben. Durch die Anwendung Deiner inneren Energie hast Du den Einfluss mayas errichtet. Niemand vermag Deine unbegrenzten Kräfte zu ermessen. Mein lieber Herr, Du bist der höchste Kontrollierende. Du befindest Dich unter Deiner inneren Energie, und es wäre töricht zu glauben, Du seiest von irgendeiner Deiner Schöpfungen abhängig. Du hast in der Yadu- bzw. in der Vrsni-Dynastie Geburt genommen, und Dein Erscheinen auf der Erde in Deiner ursprünglichen Gestalt, die von ewigem, glückseligem Wissen erfüllt ist, ist einzig und allein Dein transzendentales Spiel. Du bist von nichts abhängig Außer von Dir Selbst, und so bringe ich Deinen Lotosfüßen meine achtungsvollen Ehrerbietungen dar." Nachdem Narada Muni Sri Krsna seine demütigen Ehrerbietungen dargebracht hatte, entfernte er sich mit Krsnas Erlaubnis. Nach der Vernichtung des Kesi-Dämons ging Krsna wieder zusammen mit Seinen Freunden in den Wald, um die Kühe zu hüten, als sei nichts geschehen. So ist Krsna zusammen mit Seinen Gefährten, den Kuhhirtenjungen und den gopis, in Vrndavana ewig in Seine transzendentalen Spiele vertieft; manchmal jedoch offenbart Er auch die Außerordentliche Stärke der Höchsten Persönlichkeit Gottes, indem Er verschiedene Dämonen tötet. Später an diesem Morgen ging Krsna mit Seinen Kuhhirtenfreunden auf den Govardhana-Hügel, um dort "Räuber und Gendarm" zu spielen. Einige der Jungen spielten die Polizisten, andere spielten die Räuber, und wieder andere übernahmen die Rolle der Lämmer. Während sich die Jungen so mit ihren Kindheitsspielen vergnügten, mischte sich ein berüchtigter Dämon unter sie, der Vyomasura, "der Dämon, der in der Luft fliegt", hieß und der der Sohn eines anderen grossen Dämons namens Maya war. Diese Dämonen besitzen wundersame Zauberkräfte, und so gesellte sich Vyomasura zu den Kuhhirtenjungen, die die Rolle der Räuber spielten, und stahl auf diese Weise viele "Lämmer". Er trug einen Jungen nach dem anderen weg, bis am Schluss fast keiner mehr übrig war, und brachte sie alle in Berghöhlen, die er mit Felsbrocken fest verschloss. Doch Krsna durchschaute die List des Dämons; deshalb packte Er ihn, genauso wie ein Löwe, der ein Lamm reißt. Vyomasura versuchte, sich so groß wie ein Hügel zu machen, um der Umklammerung zu entkommen. Doch Krsna ließ den Dämon Vyoma nicht aus Seinem Griff, sondern schmetterte ihn sogleich mit ungeheurer Gewalt auf den Boden und tötete ihn genau wie ein Tier auf der Schlachtbank. Dann befreite Sri Krsna Seine Freunde aus den Berghöhlen, und während sie alle zusammen mit ihren Kühen wieder nach Vrndavana zurückkehrten, wurde Krsna von Seinen Hirtenfreunden wie auch von den Halbgöttern für Seine wundervollen Taten gepriesen. vorheriges Kapitel zur Übersicht nächstes Kapitel
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