Krsna, die höchste Persönlichkeit Gottes

Ein Gottgeweihter pries die körperlichen Merkmale Krsnas, als er den Herrn in Seiner sichtbaren persönlichen Erscheinung sah.

Er rief aus: "Wie wundervoll die persönliche Erscheinung Sri Krsnas ist! Sein Hals ist genau wie eine Muschel! Seine Augen sind so schön, als wollten sie die Schönheit der Lotosblume herausfordern. Sein Körper ist genau wie der tamala­Baum, wunderbar blauschwarz. Sein Haupt wird durch einen Baldachin von Haaren beschützt, auf Seiner Brust sind die Zeichen des srivatsa zu sehen, und Er hält ein Muschelhorn in der Hand. Durch diese wundervollen körperlichen Merkmale bietet der Feind des Dämonen Madhu einen solch wohlgefälligen Anblick, daß Er mir transzendentale Glückseligkeit schenken kann, wenn ich nur Seine transzendentalen Eigenschaften sehe."

Die 64 Eigenschaften Sri Krsnas
(nach Srila Rupa Gosvami)

1. Wundervolle Merkmale am ganzen Körper
Jeder Vergleich der verschiedenen Körperglieder des Herrn mit materiellen Dingen kann nicht tatsächlich genau zutreffend sein. Solch materielle Vergleiche sollen lediglich gewöhnlichen Menschen zu einem Verständnis verhelfen, die nicht begreifen können, von welch erhabener Natur die körperlichen Merkmale des Herrn sind. Man sagt, Krsnas Gesicht sei so schön wie der Mond, Seine Schenkel seien so stark wie Elefantenrüssel, Seine Arme glichen zwei Säulen, Seine Handflächen seien geformt wie Lotosblüten, Seine Brust gleiche einem Tor, Seine Hüften seien schmal und
Seine Leibesmitte erinnere an eine Terrasse.

2. Mit allen glückverheißenden Eigentümlichkeiten gezeichnet
Er besitzt an sieben Stellen einen rötlichen Glanz ­ es sind dies Seine Augen, Seine Finger­ und Fußspitzen, Sein Gaumen, Seine Lippen, Seine Zunge und Seine Nägel. Ein rötlicher Glanz an diesen sieben Stellen gilt als glückverheißend. Drei Teile Seines Körpers sind sehr breit: Seine Körpermitte, Seine Stirn und Seine Brust. Drei Teile Seines Körpers sind kurz: Sein Hals, Seine Schenkel und Sein Glied. Drei Teile Seines Körpers sind sehr tief: Seine Stimme, Seine Intelligenz und Sein Nabel. Fünf Teile Seines Körpers sind hoch: Seine Nase, Seine Arme, Seine Ohren, Seine Stirn und Seine Hüften. Fünf Teile Seines Körpers sind fein: Seine Haut, die Haare auf Seinem Kopf und an den anderen Teilen Seines Körpers, Seine Zähne und Seine Fingerspitzen.  Auf Seinen Handflächen findet man die Zeichen von Lotosblüten und Rädern, und Seine Fußsohlen tragen die Zeichen einer Flagge, eines Blitzes, eines Fisches, eines Stabes zur Leitung von Elefanten und einer Lotosblume.

3. Überaus wohlgefällig
Schöne körperliche Merkmale, die von selbst anziehend wirken, nennt man rucira (dem Auge wohlgefällig). Krsna besitzt diese anziehend wirkende Eigenschaft der rucira in Seiner persönlichen Erscheinung. Es wird gesagt, daß acht Teile von Krsnas transzendentalem Körper der Lotosblume gleichen, nämlich Sein Gesicht, Seine beiden Augen, Seine beiden Hände, Sein Nabel und Seine beiden Füße. Die gopis und Bewohner von Vrndavana pflegten den Glanz von Lotosblumen überall zu sehen, und es fiel ihnen schwer, ihre Augen von diesem Anblick abzuwenden.

4. Strahlend
Der Glanz, der das Universum durchdringt, gilt als die Strahlen des Höchsten Persönlichen Gottes. Das höchste Reich Krsnas sendet immerzu die Strahlung aus, die man als brahmajyoti kennt, und diese Strahlung geht von Seinem Körper aus.
Der Glanz der Juwelen, die die Brust des Herrn schmücken, übertrifft selbst den Glanz der Sonne, doch wenn sie mit dem körperlichen Glanz des Herrn verglichen werden, erscheinen all diese Juwelen nur so hell wie einer der Sterne am Himmel. Der transzendentale Einfluß Krsnas ist daher so groß, daß er jeden besiegen kann.

5. Stark
Jemand, der außergewöhnliche körperliche Stärke besitzt, wird baliyan genannt. Als Krsna Aristasura tötete, sagten einige der gopis: "Liebe Freundinnen, seht nur wie Krsna Aristasura tötete! Obwohl der Dämon stark war wie ein Berg, hob Krsna ihn wie ein Stück Watte hoch und schleuderte ihn ohne Schwierigkeit von Sich!" An einer anderen Stelle heißt es: "O meine lieben Geweihten Sri Krsnas, möge die linke Hand Sri Krsnas, die den Govardhana­Hügel wie einen Ball hochhob, euch vor allen Gefahren bewahren."

6. Immer jugendlich
Krsna ist in jedem Seiner Lebensalter schön ­ in Seiner Kindheit, Seiner Knabenzeit und Seiner Jugend. Von diesen dreien ist Seine Jugend der Speicher aller Freuden, und es ist die Zeit, in der Er die höchste Mannigfaltigkeit an hingebungsvollem Dienst entgegennimmt. In diesem Alter ist Krsna von allen transzendentalen Eigenschaften erfüllt und in Seine transzendentalen Spiele vertieft. In den Augen der Gottgeweihten ist daher der Beginn Seiner Jugend der bezauberndste Aspekt in ekstatischer Liebe.

7. Spricht alle Sprachen fließend
Rupa Gosvami sagt, daß jemand als wunderbarer Sprachenkundiger bezeichnet wird, wenn er die Sprachen verschiedener Länder kennt, besonders das Sanskrit, das in den Städten der Halbgötter gesprochen wird, sowie andere, weltliche Sprachen, einschließlich der der Tiere. Dieser Feststellung ist zu entnehmen, daß Krsna auch die Sprachen der Tiere sprechen und verstehen kann. Eine alte Frau in Vrndavana, die zur Zeit von Krsnas Spielen zugegen war, sagte einmal überrascht: "Wie wunderbar ist es, daß Krsna, dem die Herzen aller jungen Mädchen von Vrajabhumi gehören, Sich so schön mit den gopis in der Sprache von Vrajabhumi unterhalten kann, während Er mit den Halbgöttern in Sanskrit spricht, und daß Er auch die Sprache der Tiere beherrscht und daher sogar mit den Kühen und Büffeln sprechen kann! Auch in der Sprache der Provinz Kaschmir und in der Sprache der Papageien und anderer Vögel sowie in höchst gewöhnlichen Sprachen ist Krsna so ausdrucksreich!"

8. Wahrhaftig
Wer sein Ehrenwort niemals bricht, wird als wahrhaftig bezeichnet. Krsna versprach einst Kunti, der Mutter der Pandavas, daß Er ihre fünf Söhne vom Schlachtfeld von Kuruksetra zurückbringen werde. Als die Schlacht beendet war und alle Pandavas heimkehrten, pries Kunti Krsna, weil Er Sein Versprechen so ehrlich erfüllt hatte. Sie sagte: "Selbst der Sonnenschein mag eines Tages kühl und der Mondschein mag eines Tages heiß werden, aber niemals wird Dein Versprechen enttäuschen.

9. Spricht angenehm
Wer selbst mit seinem Feind liebenswürdige Worte wechseln kann, nur um ihn zu besänftigen, wird ein angenehmer Sprecher genannt. Krsna war solch ein angenehmer Sprecher, daß Er, nachdem Er Seinen Feind Kaliya im Wasser der Yamuna besiegt hatte, sagte: "Mein lieber König der Schlangen, obwohl Ich dir so viel Schmerz bereitet habe, sei bitte nicht mit Mir unzufrieden. Es ist Meine Pflicht, diese Kühe zu beschützen, die selbst von den Halbgöttern verehrt werden. Nur um sie vor der Gefahr deiner Gegenwart zu bewahren, war Ich gezwungen, dich von diesem Ort zu verbannen."

10. Hervorragender Redner
Jemand, der bedeutungsvolle Worte mit aller Höflichkeit und allen guten Eigenschaften sprechen kann, wird als vavaduka oder "hervorragender Redner" bezeichnet. Krsnas Sprache, die alle guten Eigenschaften im Universum enthält, wird von Uddhava wie folgt beschrieben: "Die Worte Krsnas wirken so anziehend, daß sie selbst das Herz Seines Widersachers augenblicklich wandeln können. Seine Worte können auf der Stelle alle Fragen und Probleme der Welt lösen. Obwohl Er nicht sehr lange spricht, trägt jedes einzelne Wort aus Seinem Mund vielerlei Bedeutung. Diese Worte Krsnas bereiten meinem Herzen große Freude."

11. Hochgelehrt
Wenn jemand sehr gebildet ist und streng nach moralischen Grundsätzen handelt, nennt man ihn hochgelehrt. Wer sich auf verschiedenen Wissensgebieten auskennt, wird als gebildet bezeichnet, und weil er nach moralischen Grundsätzen handelt, nennt man ihn moralisch stark. Zusammen bilden diese beiden Faktoren Gelehrsamkeit. Im Hinblick auf Krsnas Erziehung durch Sandipani Muni sagt Sri Narada Muni: "Zu Beginn sind Brahma und andere wie Wolken verdunsteten Wassers aus dem großen Meer Krsna. Anders ausgedrückt: Brahma empfing als erster die vedische Erziehung von Krsna, so wie die Wolken Wasser aus dem Meer empfangen. Diese vedische Erziehung oder Unterweisung, die von Brahma der Welt verkündet wurde, fiel dann auf den "Berg" Sandipani Muni. Sandipani Munis Anweisungen an Krsna sind wie ein Wasserspeicher auf dem Berg, der als Fluß talwärts strömt und sich wieder mit der Quelle, dem Meer Krsna, vermischt." Deutlicher gesagt: Der Gedanke ist, daß Krsna im Grunde von niemandem unterwiesen werden kann, ebenso wie der Ozean von keiner anderen Quelle Wasser bekommt als von sich selbst. Es scheint nur so, als ließen die Flüsse das Wasser in den Ozean strömen.

12. Hochintelligent
Ein Mann wird als intelligent bezeichnet, wenn er ein
gutes Gedächtnis und feines Unterscheidungsvermögen
besitzt. Soweit es Krsnas Gedächtnis betrifft, wird gesagt,
daß Er während Seiner Studienzeit in der Schule Sandipani
Munis in Avantipura ein solch scharfes
Erinnerungsvermögen zeigte, daß Er durch einmaliges
Hören von Seinem Lehrer sogleich auf dem jeweiligen
Wissensgebiet vollkommen wurde.

13. Ein Genie
Jemand wird als Genie bezeichnet, wenn er jeden Gegenspieler mit immer neuen Argumenten widerlegen kann.

14. Künstlerisch
Wer kunstvoll reden kann und sich kunstvoll zu kleiden weiß, wird vidagdha genannt. Diese beispielhafte Eigentümlichkeit war in der Persönlichkeit Sri Krsnas sichtbar. Radharani sagte darüber: "Meine liebe Freundin, sieh nur, wie schön Krsna Lieder verfaßt, und wie Er, mit schönen Girlanden bekränzt, tanzt und lustige Worte spricht und auf Seiner Flöte spielt. Er hat Sich so bezaubernd gekleidet, als habe Er alle möglichen Spieler beim Schach besiegt. Er lebt auf wunderbare Weise auf der höchsten Höhe künstlerischer Fähigkeit."

15. Uberaus klug / Geschickt
Jemand, der mehrere Arbeiten gleichzeitig verrichten kann, wird als geschickt bezeichnet. In diesem Zusammenhang sagte eine der gopis: "Meine lieben Freundinnen, seht nur, wie geschickt Sri Krsna ist! Er verfaßt schöne Lieder über die Kuhhirtenjungen und erfreut die Kühe. Durch die Bewegung Seiner Augen bereitet Er den gopis Freude, und zur gleichen Zeit kämpft Er mit Dämonen wie Aristasura und anderen. So beschäftigt Er Sich mit verschiedenen Lebewesen auf unterschiedliche Weise und genießt die Situation nach Herzenslust."

16. Sachkundig
Jeder, der eine sehr schwierige Aufgabe schnell erledigen kann, wird sachkundig genannt. Über die Sachkundigkeit Krsnas findet man eine Feststellung im Zehnten Canto des Srimad-Bhagavatam, 59. Kapitel, Vers 17. wo Sukadeva Gosvami zu Maharaja Pariksit sagt: "O Bester der Kurus, Sri Krsna hob die Wirkung all der verschiedenen Waffen auf, die von verschiedenen Kämpfern angewandt wurden."

17. Dankbar
Jeder, der sich dessen bewußt ist, was sein Freund für ihn getan hat, und der seinen Dienst niemals vergißt, wird dankbar genannt. Im Mahabharata sagt Krsna: "Als Ich von Draupadi fort war, weinte sie mit den Worten 'He Govinda!' Dieser Ruf nach Mir hat Mich in ihre Schuld gebracht, und dieses Verschuldetsein nimmt allmählich in Meinem Herzen zu." Diese Worte Krsnas beweisen, wie sehr man den Höchsten Herrn erfreuen kann, wenn man sich einfach Ihm zuwendet und ruft: "He Krsna! He Govinda!" Der maha­mantra (Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare) ist ebenfalls einfach eine Anrufung des Herrn und Seiner Energie. Wir können uns vorstellen, wie sehr Sich der Herr jemandem verpflichtet fühlt, der ständig Ihn und Seine Energie anruft. Es ist für den Herrn unmöglich, einen solchen Geweihten jemals zu vergessen. Es wird in diesem Vers klar gesagt, daß jeder, der den Herrn anruft, sogleich die Aufmerksamkeit des Herrn auf sich zieht, der Ihm für immer verpflichtet bleibt.

18. Fest entschlossen
Jeder, der regulierende Prinzipien einhält und seine Versprechen durch praktisches Handeln erfüllt, wird als entschlossen bezeichnet. Ein Beispiel für die Entschlossenheit des Herrn wird im Harivamsa gegeben. Es geht dort um Sri Krsnas Kampf mit dem König des Himmels, Indra, dem gewaltsam die parijata­Blume geraubt wurde. Parijata ist eine Art von Lotosblume, die auf den himmlischen Planeten wächst. Einst wünschte sich Satyabhami, eine der Königinnen Krsnas, diese Lotosblume, und Krsna versprach Seiner Frau, ihr die Blume zu bringen; doch weigerte sich Indra, seine parijata­Blume abzutreten. Deshalb kam es zu einem großen Kampf ­ Krsna und die Pandavas auf der einen Seite und alle Halbgötter auf der anderen. Schließlich besiegte Krsna sie alle, nahm die parijata­Blume und brachte sie Seiner Königin. Im Hinblick auf diesen Vorfall sagte Krsna zu Narada Muni: "Mein lieber großer Weiser der Halbgötter, jetzt kannst du den Gottgeweihten im allgemeinen und den Nichtgottgeweihten im besonderen verkünden, daß alle Halbgötter ­ die Gandharvas, die Nagas, die Raksasa ­ Dämonen, die Yaksas und die Pannagas ­ Mich zu besiegen versuchten, als Ich die parijata­Blume mit Mir nahm, doch niemand konnte das Versprechen brechen, daß Ich Meiner Königin gab."

19. Weiß Zeit und Umstände genau zu beurteilen
Krsna verstand es meisterhaft, mit Menschen je nach Umständen, Land, Zeit und Umgebung umzugehen. Wie Er eine bestimmte Zeit, einen bestimmten Umstand und eine bestimmte Person zu nutzen wußte, wurde von Ihm zum Ausdruck gebracht, als Er mit Uddhava über Seinen rasa­Tanz mit den gopis sprach. Er sagte: "Die am besten geeignete Zeit ist die Vollmondnacht im Herbst, wie heute Nacht. Der beste Ort im Universum ist Vrndavana, und die schönsten Mädchen sind die gopis. Mein lieber Freund Uddhava, Ich glaube daher, daß Ich jetzt all diese Umstände nutzen und den rasa­Tanz vollführen sollte."

20. Sieht und spricht entsprechend der Autorität der Vedas oder Schriften
Jemand, der genau nach der Anweisung der Schrift handelt, wird sastra­caksus genannt. sastra­caksus bedeutet jemand, der mit den Augen der autorisierten Schriften sieht.

21. Rein
Es gibt zwei Arten höchster Reinheit. Eine Art besitzt man, wenn man fähig ist, eine sündhafte Person zu befreien. Im anderen Fall tut man nichts Unreines. Jemanden, der eine dieser Eigenschaften besitzt, nennt man in höchster Form rein. Krsna ist beides: Er kann alle sündhaften, bedingten Seelen befreien, und zur gleichen Zeit tut Er niemals etwas, durch das Er verunreinigt werden könnte.

22. Selbstbeherrscht
Jemand, der seine Sinne völlig beherrschen kann, wird vasi oder selbstbeherrscht genannt. In diesem Zusammenhang heißt es im Srimad-Bhagavatam (1.11.36): "Alle 16 000 Frauen Krsnas waren so ausnehmend schön, daß ihr Lächeln und ihre Scheu imstande waren, große Halbgötter wie Shiva zu bezaubern. Doch trotz ihrer betörenden Weiblichkeit konnten sie Krsna nicht im geringsten erregen." Jede von den Tausenden von Frauen dachte, Krsna sei durch ihre weibliche Schönheit bezaubert, doch dies war nicht der Fall. Krsna ist daher der höchste Beherrscher der Sinne, und dies wird in der Bhagavad­gita (1.24) bestätigt, wo Er als Hrsikesa ­ der Meister der Sinne ­ angesprochen wird.

23. Standhaft / Ausdauernd
Jemand, der sich bemüht, bis er sein gewünschtes Ziel erreicht hat, wird als ausdauernd bezeichnet. Es kam einmal zu einer Auseinandersetzung zwischen Krsna und König Satrajit wegen des Syamantaka­Juwels. Der Edelstein ging im Wald verloren, doch Krsna ließ Sich nicht entmutigen. Er bekam schließlich das Juwel, indem Er mit großer Ausdauer suchte.

24. Geduldig
Jemand, der alle möglichen Unannehmlichkeiten hinnimmt, obwohl solche Drangsale unerträglich erscheinen, wird duldsam genannt. Als Krsna bei Seinem spirituellen Meister lebte, nahm Er gern jede Mühe auf sich, um Seinem guru zu dienen, obwohl Sein Körper sehr weich und zart war.

25. Verzeihend / Nachsichtig
Jemand, der alle möglichen Vergehen seitens eines anderen ertragen kann, ist als nachsichtig bekannt. Sri Krsnas Eigenschaft, nachsichtig zu sein, wird im Sisupala­vadha im Zusammenhang mit Seinem Verbot, Sisupala zu töten, beschrieben. König Sisupala war der Monarch des Königreiches Cedi, und obwohl er ein Vetter Krsnas war, beneidete er Ihn. Wann immer sie einander begegneten, versuchte Sisupala, Krsna zu beleidigen und Ihn mit so vielen Schimpfnamen wie möglich zu überschütten. Als Sisupala in der Arena von Maharaja Yudhisthiras Rajasuya­Opfer Sri Krsna Schimpfnamen zuzurufen begann, kümmerte Sich Krsna nicht darum und blieb schweigsam. Einige Leute in der Arena machten Anstalten, Sisupala zu töten, doch Krsna hielt sie zurück.

26. Ernst
Jemand, der seine Gedanken nicht jedem mitteilt oder dessen Gedankengänge und Vorhaben sehr schwer zu verstehen sind, wird als ernst bezeichnet. Nachdem Sri Krsna von Brahma beleidigt worden war, betete Brahma zu Ihm um Vergebung. Doch obwohl Brahma Krsna so schöne Gebete darbrachte, war er sich nicht sicher, ob Krsna zufrieden oder immer noch ärgerlich war. Mit anderen Worten, Krsna war so ernst, daß Er den Gebeten Brahmas keine große Bedeutung beimaß.

27. Selbstgenügsam / In sich selbst zufrieden
Jemand, der völlig in sich selbst zufrieden ist, ohne nach etwas zu begehren, und der nicht einmal erregt ist, wenn es einen ernsthaften Grund zum Leid gibt, wird als selbstzufrieden bezeichnet. Krsna bewies Seine Selbstzufriedenheit, als Er, Arjuna und Bhima Jarasandha, den schrecklichen König von Magadha, herausforderten und Krsna alles Verdienst für die Vernichtung Jarasandhas Bhima zukommen ließ. Hieraus können wir verstehen, daß Krsna niemals auch nur den geringsten Wert auf Ruhm legt, obwohl niemand berühmter sein kann als Er.

28. Gleichmütig / Gerecht
Jemand, der durch Anhaftung und Neid nicht beeinflußt wird, gilt als gerecht. In einem Gebet heißt es: "Mein lieber Sri Krsna, Bester der Kuru­Dynastie, Du bist so unvoreingenommen, daß Du sogar einen Feind, wenn dieser befähigt ist, belohnen wirst. Und wenn einer Deiner Söhne ein Missetäter ist, wirst Du ihn bestrafen. Das ist Deine Aufgabe, denn Du bist die höchste Autorität in allen Universen. Du bist nicht voreingenommen. Wenn jemand Voreingenommenheit in Deinem Charakter zu finden glaubt, ist er ohne Zweifel im Unrecht."

29. Großmütig
Jeder, der ein großer Wohltäter ist, wird großmütig genannt. Als Krsna Dvaraka regierte, war Er so großmütig und mildtätig, daß Seine Spendefreudigkeit keine Grenzen kannte. Tatsächlich war Seine Spendefreudigkeit in Dvaraka so groß, daß selbst das spirituelle Königreich mit all seinem Reichtum an cintamani­Steinen, wunscherfüllenden Bäumen und surabhi­Kühen übertroffen wurde. Im spirituellen Königreich Sri Krsnas, das man Goloka Vrndavana nennt, gibt es surabhi­Kühe, die unbegrenzte Mengen Milch geben. Dort stehen wunscherfüllende Bäume, von denen jedermann alle möglichen Früchte pflücken kann, so viele, wie er möchte. Das Land ist aus dem Stein der Weisen gemacht, der bei der Berührung mit Eisen dieses in Gold verwandelt. Mit anderen Worten, obwohl im spirituellen Königreich, dem Reich Krsnas, märchenhafter Reichtum zu finden ist, übertraf Krsnas Spendefreudigkeit in Dvaraka sogar den Reichtum von Goloka Vrndavana. Wo immer Krsna Sich aufhält, begleitet Ihn der unbegrenzte Reichtum von Goloka Vrndavana.

30. Religiös
Jemand, der persönlich nach den Lehren der Religion lebt, wie sie in den sastras niedergelegt sind, und der die gleichen Prinzipien auch andere lehrt, wird als religiös bezeichnet. Sich nur zu einem bestimmten Glauben zu be­ kennen ist kein Zeichen von Religiosität. Man muß nach religiösen Grundsätzen handeln und durch sein persönliches Beispiel andere lehren. Ein solcher Mensch ist als religiös zu verstehen. Als Krsna auf unserem Planeten gegenwärtig war, gab es keine Gottlosigkeit. In diesem Zusammenhang sagte Narada Muni einmal scherzhaft zu Krsna: "Mein lieber Herr der Kuhhirtenjungen, während Deine Stiere (Stiere sind die Vertreter der Religion) von den Weidegründen Gras fressen und sich auf ihren vier Beinen fortbewegen, haben sie sicherlich alles Gras der Gottlosigkeit aufgefressen!"

31. Heldenhaft
Jemand, der mit Begeisterung kämpft und es versteht, vielerlei Waffen anzuwenden, wird als heldenhaft bezeichnet. In Bezug auf Krsnas Heldenmut im Kampf heißt es an einer Stelle: "Mein lieber Vernichter des Feindes, so wie ein Elefant während eines Bades im See alle Lotosstengel im Wasser durch das Schwingen seines Rüssels umknickt, so hast Du durch die bloße Bewegung Deiner Arme, die mit Elefantenrüsseln verglichen werden, zahllose lotosgleiche Feinde getötet."

32. Mitfühlend
Jemand, der eines anderen Leid nicht ertragen kann, wird als mitfühlend bezeichnet. Krsnas Mitleid mit denen, die leiden, kam zum Ausdruck, als Er die Könige befreite, die von Magadhendra eingekerkert worden waren. Als Großvater Bhisma im Sterben lag, betete er zu Krsna und beschrieb Ihn als die Sonne, die alle Dunkelheit auflöst. Die Könige waren von Magadhendra in finstere Zellen gesperrt worden, doch als Krsna dort erschien, verschwand die Dunkelheit augenblicklich, als wäre die Sonne aufgegangen. Mit anderen Worten, obwohl Magadhendra es fertiggebracht hatte, so viele Könige einzukerkern, wurden sie alle befreit, als Krsna erschien. Krsna tat dies aus aufrichtigem Mitleid mit den Königen.

Quellen: "Srimad-Bahgavatam" und "Der Nektar der Hingabe"

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