Re: SHOP-SEITE !?!
[ Krsna.de Fireside Forum ] Geschrieben von Peer am 22. April 2001 10:24:48:
Als Antwort auf: SHOP-SEITE !?! geschrieben von dasa am 20. April 2001 11:51:35:
Hari bolo!
Lieber Dasa, das hat vielfältige Gründe. Der Hauptgrund liegt in erster Linie an folgendem: Mit viel Enthusiasmus habe ich dieses Projekt begonnen. Ich verspüre schon lange Zeit das Bedürfnis, Krsna / Gott zu dienen. Ich lernte damals Hare Krsna kennen und fasste kurzer Hand den Entschluss, hier etwas einzubringen. Seit damals ist viel passiert. Viele devotees, die ich lieben und schätzen gelernt habe, sind weggegangen und haben alle Brücken hinter sich "abgerissen". Auch einige sog. Gurus haben deren eigenen Anforderungen nicht gerecht werden können, und sind heute nicht mehr "dabei".
Der Grund dafür liegt auf der Hand: -> das Schwarz /Weiss-denken -> entweder man ist "drin" oder "draussen". Ein dazwischen scheint allgemein nicht akzeptiert zu werden. Und das liegt m.E. vor allem neben eigenen Schwächen auch an der allzu kritiklosen Übernahme der Erläuterungen Srila Prabhupadas, die teilweise sehr stark von eigenen Sichtweisen und Überzeugung gefärbt sind. Wichtige Aussagen Prabhupadas werden hingegen allem Anschein nach ignoriert:
Zitat: "[...]Das vedische Wissen ist vollkommen und unfehlbar, und die Hindus anerkennen es als solches.[...] [...]Vedisches Wissen hat daher nichts mit Forschung zu tun. Unsere Forschungsarbeit ist unvollkommen, weil wir die Dinge nur mit unseren unvollkommenen Sinnen untersuchen. Wenn wir vollkommmenes Wissen wollen, müssen wir, wie es in der Bhagavad-Gita heisst, das Wissen annehmen, das durch die parampara (Schülernachfolge) zu uns herabkommt. Wissen muss von der richtigen Quelle empfangen werden, nämlich von der Schülernachfolge, die mit dem höchsten spirituellen Meister weitergeführt wird. Arjuna, der Schüler, der sich vom Herrn, Sri Krsna, unterweisen läßt, akzeptiert alles, was Er sagt, ohne ihm zu widersprechen. Es ist nicht gestattet, einen Teil der Bhagavad-Gita anzunehmen und einen anderen abzulehnen. Wir müssen die Bhagavad-Gita ohne Interpretation annehmen und es vermeiden, etwas auszuklammern oder uns nur launenhaft mit dem Thema zu befassen. Die Gita sollte als die vollkommenste Präsentation vedischen Wissens angesehen werden. Das vedische Wissen wird aus transzendentalen Quellen empfangen, da die ersten Worte vom Herrn Selbst gesprochen wurden. Vom Herrn gesprochene Worte nennt man apauruseya, was darauf hinweist, daß sie nicht von einem Menschen der irdischen Welt gesprochen wurden, der mit vier grundlegenden Mängeln behaftet ist:(1) Er begeht mit Sicherheit Fehler; (2) er unterliegt unvermeidlich falschen Vorstellungen; (3) er hat die Neigung, andere zu betrügen, und (4) er ist durch unvollkommene Sinne beschränkt. Mit diesen vier Unvollkommenheiten kann man keine vollkommene Auskunft über alldurchdringendes Wissen geben.[...] (Bhagavad-Gita "Einleitung")
Das heisst für mich im Klartext: Srila Prabhupadas Erläuterungen sind nicht die Worte von Krsna, und seine Erläuterungen können daher nicht unfehlbar sein (sie sind nicht apauruseya). Er ist ein Mensch, mit den von ihm beschriebenen Fehlern ("der mit vier grundlegenden Mängeln behaftet ist")
Und Srila Prabhupada ist offen genug, uns das auch zu sagen. Das finde ich wirklich gut. Seine Erläuterungen sind jedoch, wie gesagt, nicht "apauruseya", im Gegensatz zu denen vom Herrn gesprochen. Deswegen ist es für mich sehr wichtig, hier einen deutliche Trennung zu vollziehen. Die Taten eines Gottgeweihten mögen zwar transzendental sein (d.h. ohne Vergehen), allerdings können Sie dennoch fehlerhaft sein.
Mein Problem, insbesondere bei den Diskussionen, ist hauptsächlich die aus meiner Sicht engstirnige Sichtweise einer Vielzahl von Beteiligter, die allem Anschein nach nicht genügend kritisch hinterfragen (das geht auch ohne Böswill :), und diese Haltung anderen zudem noch vorschreiben möchten.
Wenn ich nun sehe, dass es (im Moment jedenfalls) nur ein drinnen oder draussen gibt, stelle ich mich den Worten Krsnas: "Gib alle Arten von Religion auf, und ergib dich einfach Mir.[...]Bhagavad-Gita (18.66)"
Deshalb wird www.Krsna.de diesen einfachen, aber doch sehr tiefen Worten zukünftig folgen. Ehrlich gesagt ist mir die Sichtweise einiger Fanatiker (ich rede jetzt mal Klartext) wirklich ein "Graus". Du musst, Du verstehst nicht, Du wirst, Du kannst nicht, usw. Sehe da eher einen gewaltigen Rückschritt, aber das ist nur meine persönliche Meinung. Immer daran denken: Der Weg zu Krsna geht durchs Herz :)
Zum Shop: Solange keine offene Betrachtung / Gespräch insbesondere über die Erläuterungen möglich ist, vor allem innerhalb der Iskcon (und hier insbesondere bei den Autoriäten), ist es nicht mehr mit meiner Überzeugung der Toleranz und Verantwortung vereinbar. Trotz des materiellen Erfolges dieses Projektes.
Diese Bücher enthalten viel Wissen. Aber sie werfen auch Bedenken / Fragen auf, die vor allem im nächsten Schritt, beim Kontakt mit Tempeln und Anhängern, immer noch nicht auf genügend echtes Verständnis bzw. Offenheit "treffen" . Diese Homepage wird auch weiterhin eine Basis für offene Betrachtung darstellen. Projekte wie www.Prabhupada.de begrüße ich sehr, da sie den Gedanken des Sankirtans frei jedwedigen Kommerzes verfolgen. Nebenbei: Wenn dem BBT (das ist der Buchverlag) der Sankirtan (das Verteilen des vedischen Wissens) so sehr am Herzen läge, würden die Werke schon lange kostenfrei als Datei im Internet zum download bereitliegen. Aber da scheint wohl der Wunsch nach dem materiellen auch weiterhin vorzuherrschen.Noch mal zurück zu meinem Verhältnis zu Prabhupada. Ich finde seine Mission, seine Beweggründe und seine Engagement trotz aller Widrigkeiten in einem positiven Licht. Denn sein Ziel war (ist) es, uns Krsna / Gott näherzubringen, und um uns einen Weg zu zeigen, wie wir zu IHM zurückkehren können. Allerdings bin ich auch nicht blind. Fehler haben wir alle mehr als genug. Aussagen eines Menschen kritisch zu hinterfragen, gehört aus meiner Sicht eindeutig zu den PFLICHTEN, die zu unserer Existens gehören. Und wenn nun Probleme / Bedenken auftreten, dann reicht es aus meiner Sicht nicht aus, zu sagen, die Veden seien unfehlbar. Oder auch weit verbreitet die Aussage: "Chante Hare Krsna and be happy" ist zwar sehr gehaltvoll, allerdings führt es nicht automatisch zum Verständnis von Prabhupadas Aussagen.
Wie gesagt, ich habe genügend ehemalige devotees und gurus die Brücken hinter sich abbrechen sehen. Und deshalb ist kritische Hinterfragen mehr als angebracht. Und das auch zu einer Organistation wie Iskcon, sowie auch jedem selbsternannten Schülers/Schülerin. Ich liebe Krsna / Gott, und das ist für mich wichtiger als starre Regeln ohne echte Verwirklichung.
Was ich mir wirklich wünsche: Mehr Liebe und Verständnis für Sichtweisen anderer, auch wenn diese eigene Vorstellungen "angreifen". Mehr wahre Hingabe als Schlachtfelder. Das man eine eigene innerliche Überzeugung hat, schließt doch eine kritische Sichtweise nicht aus, oder? Es geht uns doch allen um IHN, den höchsten Herrn. Und wenn sich jemand offensichtlich mit IHM beschäftigt, dann sollte man doch zehnmal keine "Steine schmeissen". Ich bin froh, dass ER so vielfältig und unbegreifbar ist, und glaube fest, dass die Wege zu ihm ebenso zahlreich sind. Der Weg des Hingebungsvollen Dienstes ist meiner Überzeugung nach sicherlich möglich und sehr bedeutend. Aber gerade als hingebungsvolle Diener sollten wir uns ständig hinterfragen, ob unser Meister mit seinem Diener wirklich zufrieden ist.
Alles Liebe
Peer
>HARE KRSNA!
>Lieber Peer,wieso gibt es denn die Shop-seite nicht mehr?
>Ich sehe sie als einen sehr,sehr,sehr wertvollen Beitrag an,und bin dir auch sehr dankbar für diese hilfreiche Option.Alles Gute!
>Alle Ehre sei Sri Sri Radha-KRSNA!
>Liebe und Friede Gott und seinen Energien.
>HARE KRSNA!
>dein dasa
>